a

Seegangsversuche werden in der Schlepprinne der SVA durchgeführt. Zur Erzeugung von regulären Wellen, Wellenspektren und transienten Wellenpaketen steht ein hydraulischer Wellenerzeuger zur Verfügung. Unerwünschte Wellenreflexionen werden durch ein System von Wellenabsorbern verhindert. Neben den  Untersuchungen  von Standard-Einrumpfschiffen erstreckt sich das Angebotsprofil auf die Untersuchung einer Vielzahl unkonventioneller und Spezialschiffe. Dazu zählen neben Katamaranen und Mehrrumpfschiffen  u. a. Yachten, Schnellboote, Marinefahrzeuge, Kabelleger sowie Versorger und Offshore-Plattformen.

Schleppversuche

 

Untersuchungen an geschleppten, teils gefesselten Modellen dienen in erster Linie zur Ermittlung des Widerstandszuwachses und im Seegang wirkender Kräfte . Hierzu werden spezielle Widerstandswaagen, Anlagen zur Erzeugung erzwungener Bewegungen und Slamminggeneratoren eingesetzt. Für Validierungszwecke erfolgen die Versuche meist mit einer systematischen Variation von Wellenlänge, Wellenhöhe, Wellenbegegnungswinkel, Bewegungsamplituden und -frequenzen.

Versuche mit freifahrendem Modell

 

Diese Versuchsart ist erforderlich, wenn es um die Ermittlung des Bewegungsverhaltens und der Beschleunigungen sowie um die Einschätzung von Wasserübernahme, Slamming, Relativbewegungen und Propelleraustauchung geht. Das Modell ist dabei voll ausgerüstet. Gemessen werden die Bewegungen in allen 6 Freiheitsgraden, sowie  Schub und Drehmoment zur Ermittlung des zusätzlichen Leistungsbedarfs im Seegang. Um das Bewegungsverhalten für den gesamten Bereich der Relativkurse zu den anlaufenden langkämmigen irregulären Wellen eines vorgegebenem Seegangsspektrum bestimmen zu können, erfolgen die Versuche in Gegen- und Folgesee bei Fahrt und im Stand sowie für alle Relativkurse im Stand. Für schräg anlaufende Wellen wird das Modell auf Zick-Zack-Kurs in Gegen- und Folgesee durch die Schlepprinne gefahren. Dabei können  Wellenbegegnungswinkel von über 30°, in günstigen Fällen sogar bis 50° erreicht werden.



Spezialuntersuchungen

 

Der zunehmende Trend zur Entwicklung von Spezialschiffen für den Offshore-Bereich mit  Schwerpunkt Windparkanlagen fordert auch von den Versuchsanstalten, neue Versuchsmethoden mit entsprechender neuer Messtechnik zu entwickeln. Diesen Anforderungen kann die SVA Potsdam mit kundenspezifischen Entwicklungen jederzeit gerecht werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei der Bemühung, das Rollverhalten von Schiffen zu verbessern. Hierfür sind vor allem Untersuchungen von gesteuerten Flossen, Rudern, Voith-Schneider-Anlagen etc. zur Optimierung dieser Aggregate gefragt.

Messequipment

 

Für Seegangsmessungen steht der SVA-Potsdam seit 2009 ein sog. „visual motion capture“ Messsystem der Fa. QUALISYS zur Verfügung. Dieses System erlaubt die Erfassung der gekoppelten Bewegungen in allen 6 Freiheitsgraden und daraus abgeleitet die Geschwindigkeiten und Beschleunigungen des Modells bzw. definierter Punkte an diesem.

a

Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Systemen besteht vor allem darin, dass die Bewegungen des Modells vollständig berührungslos vermessen werden, da keinerlei Kabelverbindungen zum Schleppwagen erforderlich sind. Die statistische Auswertung der gemessenen Zeitreihen erfolgt mit Hilfe eigener Software.

Theoretische Untersuchungen

 

Für ergänzende Seegangsberechnungen und numerische Simulationen zum Seegangsverhalten von Bereichen, die im Modellversuch nicht nachgebildet werden können, steht der SVA das Programmsystem UTHLANDE zur Verfügung, das in Kooperation mit mehreren deutschen Institutionen entwickelt wurde. Auf Basis einer linearen und nichtlinearen Streifenmethode erlaubt dieses System die Berechnung der Bewegungen und Belastungen von Einrumpfschiffen und Katamaranen für alle 6 Freiheitsgrade. Man erhält die statistischen Kennwerte (Kurzzeit- und Langzeitstatistik) für langkämmigen und kurzkämmigen Seegang mit Darstellung in kartesischen oder Polar-Diagrammen bzw. eine Videoanimation auf Basis eines „Ship motion viewer“.